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Fantasy stürmen mit „Willkommen im Wunderland“ direkt auf Platz #1 – Ein Album zwischen Traumwelt, Poptitan Dieter Bohlen und Schlager-Statement

29. Mär 2025, Mirco Clapier

Willkommen im Wunderland: Fantasy's neues Nummer #1 Album 2025
Willkommen im Wunderland: Fantasy's neues Nummer #1 Album 2025
© Telmo/Robin Reich
Schlager Album

„Willkommen im Wunderland“ von Fantasy ein facettenreiches Nummer #1 Album voller Emotionen! 17 neue Songs vereinen Tradition und frischen Flair.

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Kaum erschienen, schon ganz oben: Mit ihrem neuen Studioalbum „Willkommen im Wunderland“ gelingt Fantasy erneut ein Paukenschlag – Platz #1 der Offiziellen Deutschen Album-Charts ist ihnen am Veröffentlichungstag, dem 28. März 2025, sicher. Fredi Malinowski und Martin Hein führen damit ihre Erfolgsgeschichte fort und setzen mit 17 neuen Songs (plus Hitmix) erneut ein musikalisches Zeichen in der Schlagerszene. Doch diesmal ist einiges anders: mehr Tracks, mehr Vielfalt – aber auch mehr musikalische Referenzen, die auffallen.

Zwischen Brunner & Brunner, Bohlen-Sounds und eigener Handschrift

Schon der Titeltrack „Willkommen im Wunderland“ gibt die Richtung vor: ein moderner Fantasy-Sound, der an Brunner & Brunner erinnert – sowohl im Arrangement als auch im emotionalen Grundton. Diese Ähnlichkeit zeigte sich bereits bei der vergangenen Single-Veröffentlichung „Wenn der Wind sich dreht“ (aus dem Album „Mitten im Feuer“), deren Handschrift stark vom Sound des ehemaligen Duos aus Murnau geprägt scheint. Eine bewusste Hommage oder doch ein Zufall?

Nicht jeder Titel hingegen bleibt klar in der Fantasy-Welt verortet. „Ich mach’s ohne dich“ etwa will mit frechem Titel provozieren, doch der Song stolpert musikalisch: Die Fill-Ins der Drums wirken deplatziert. Hier fehlt der Feinschliff, der sonst typische Fantasy-Produktionen auszeichnet. Aber nicht jeder Arrangeur ist ein ausgebildeter Schlagzeuger und nach zwei bis drei Mal hören passt es dann auch wieder. Der Mensch gewöhnt sich schnell an etwas.

Der Titel „Casablanca“ weckt eher Erinnerungen an frühere Fantasy-Hits wie „Bonnie & Clyde“, wirkt dabei jedoch weniger wie eine eigenständige Neuschöpfung, sondern vielmehr wie eine stilistische Fortsetzung vergangener Erfolge.

Kritik: „Lieb doch wenn du willst“ und der Dieter-Bohlen-Twist

Ein Ausreißer mit ist „Lieb doch wenn du willst“. Eine Produktion im Dieter-Bohlen-Stil, die sich bewusst am Modern-Talking-Erbe orientiert. Zudem ist die rhythmische Nähe zum DSDS-Siegertitel „Eine Nacht“ von Ramon Roselly kaum zu überhören. Die Moll-Harmonien bringen mystischen Charme, während auf klassische Bohlen-Elemente wie Kesselpauken verzichtet wird – ein Pluspunkt. Weniger geglückt: die gesampelten Vocal-Bankings im Refrain, die an das Sounddesign von Modern Talking erinnern, aber im Jahr 2025 nicht mehr überraschen. 

Immer mehr Schlagersongs bedienen sich inzwischen auffällig an den typischen Modern-Talking-Backings – ein Stilmittel, das einst revolutionär war, heute aber zunehmend ausgelutscht wirkt. Was früher als Hommage durchging, verkommt immer häufiger zur klanglichen Kopie, bei der kreative Eigenleistung auf der Strecke bleibt. Es scheint, als würden Produzenten lieber auf bewährte Muster setzen, statt eigene Handschriften zu entwickeln. Ein Trend, der dem Genre auf Dauer die Frische rauben könnte.

Deutlicher wird die Nähe zu Blue System in „Heartbreaker“. Das Intro klingt wie eine verlorene Synthi-Sequenz aus den 90er-Alben des Poptitans. Zwar charmant nostalgisch, aber beinahe zu nah am Original von Blue System. Man fragt sich: Wäre Dieter Bohlen geehrt – oder irritiert?

Zurück zu Fantasy – und das mit voller Kraft ab Mitte des Albums

Fantasy
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© Telamo/Dominik Beckmann

Doch es gibt sie, die starken, authentischen Fantasy-Momente: „Ein Uhr Nachts“, der zur Sommerzeit-Umstellung ein passendes Szenario entwirft, „Ich hab noch niemals so geliebt“ mit subtiler Brunner & Brunner-Anleihe „Sag doch“, oder „Baby träumst du noch“, das sich mit seinem kraftvollen Intro als heimlicher Albumhöhepunkt entpuppt. Hier stimmt alles: Komposition, Sound, Emotion – das ist die Handschrift, für die Fans Fantasy lieben und einer Single-Auskopplung würde wäre. 

Ab der zweiten Hälfte des Albums finden sich die beiden Künstler hörbar besser ein, das Album nimmt Fahrt auf, wirkt strukturierter, runder, kreativer. Songs wie „Lass uns Fremde bleiben“, „Egal wen du liebst“ und das hymnische „So lange mich deine Liebe trägt“ zeigen, wie gereift, reflektiert und dennoch verspielt Fantasy heute klingen können.

Große Geschichten mit Augenzwinkern

Gerade in den Texten wird deutlich, wie viel Lebenserfahrung in diesem Album steckt. Was früher tieftraurig erzählt wurde, kommt heute mit einem Schmunzeln daher. Die Liebe wird nicht mehr dramatisiert, sondern menschlich und ehrlich erzählt – etwa im augenzwinkernden „Das bleibt unter uns (Chérie)“ oder im frechen „Dinge, die wir heimlich tun“. Fantasy zeigen, dass man in Würde lockerer werden kann – und damit sogar tiefgründiger wirkt.

Krönender Abschluss: „Eine Nacht aus Gold“

Besonders emotional wird es beim finalen Titel „Eine Nacht aus Gold“ – ein Lied über einen Heiratsantrag, basierend auf einer wahren Geschichte. Kitsch? Vielleicht. Doch genau dieser echte, unverstellte Moment macht den Song zu einem Gänsehaut-Erlebnis. Hier entfaltet das Album seine ganze romantische Stärke.

Unser Fazit: Fantasy liefern ein mutiges, facettenreiches Album mit Ecken und Kanten. „Willkommen im Wunderland“ ist ein vielschichtiges Werk, das zwischen Hommage, Eigenständigkeit und Experimenten pendelt. Einige Songs wirken wie stilistische Kopien, andere überraschen mit erfrischender Reife. Mit 18 Tracks ist das Album fast schon zu voll – weniger wäre hier mehr gewesen. Aber die Hits, die echten Emotionen und die fantasievolle Inszenierung machen dieses Album dennoch zu einem festen Bestandteil der Fantasy-Diskografie.

Ein Nummer-1-Album mit Licht und Schatten – aber definitiv mit Herz, Erfahrung und einem großen Gespür für die „Fantasy“ im Schlager.

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